Praktische Tipps von Dr. Claudia Sigg-Farner, Spezialärztin für innere Medizin und Tropenkrankheiten, Zürich
Frau Dr. Sigg berät INDO ORIENT TOURS und seine Kunden bereits seit über 30 Jahren an der Dolderstrasse 30 in Zürich. Wenden Sie sich bei allen Fragen betreffend der Reisemedizin direkt an Frau Dr. Sigg: Tel. 044 251 52 29, Fax. 044 262 22 16.
Die Medizin hofft seit nunmehr schon etwa fünfzig Jahren, sie könne Infektionskrankheiten dank neuer Medikamente überwinden oder gar ausrotten. Bei verschiedenen bakteriell bedingten Krankheiten gelang das auch, doch nach anfänglichen Erfolgen werden immer mehr Bakterien auf die zur Verfügung stehenden Antibiotika resistent. Das hat besonders bei der Tuberkulose verheerende Auswirkungen. Machtlos ist die Medizin meistens gegen Viruskrankheiten, und in vielen Ländern sind Wurmkrankheiten, wegen ungenügender Hygiene, noch immer sehr verbreitet (obwohl sie in der Regel medikamentös therapiert werden können).
Durch Viren bedingte Krankheiten haben in den letzten zwei Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen. Einzig die Pocken konnten dank einer weltweiten Impfkampagne (bis auf einzelne im Labor konservierte Stämme) ausgerottet werden. Oft sind es altbekannte Viruskrankheiten, die sich wieder ausbreiten. Daneben traten aber auch neue Virusstämme auf, u.a. das HIV-Virus. Wirksame Medikamente gibt es nur gegen vereinzelte Viruskrankheiten, zum Beispiel die Gürtelrose (Herpes zoster), Fieberbläschen (Herpes simplex) und beschränkt, gegen das HIV-Virus und einzelne Grippestämme.
Einzelne Viruskrankheiten, wie etwa SARS, die Vogelgrippe (Hühnerpest), Lassa- und Marburg-Fieber finden, wann und wo immer sie auftreten, das Interesse der Medien. Es ist oft schwer abzuschätzen, wie folgenschwer einzelne dieser Krankheiten sind. Die Zahl der Opfer, die sie in den letzten Jahren forderten, ist mit rund 10 000 relativ niedrig – verglichen mit den Aids-Toten (ca. 300 000, bei 38 Mio Infizierten weltweit), mit ca. 1,6 Millionen Tuberkulose-Opfern, 1-2 Millionen, die an Malaria verstarben und ca. 600 000, welche den Masern zum Opfer fielen, und all das allein schon im Jahr 2003!
Zusammen mit der Malaria-Prophylaxe sollten, wenn möglich einige Wochen vor Reisebeginn, Impfungen diskutiert und durchgeführt werden.
Für gewissen Länder obligatorische Impfungen
a) Gelbfieber Die Impfung ist obligatorisch für gewisse Länder Afrikas und für Südamerika. Einge gültige Impfung kann Vorbedingung zur Einreise sein, falls der Reisenden aus einem Land mit Gelbfieber kommt. INDO ORIENT-Reisen führen nicht in diese Gebiete (Ausnahme Äthiopien). Erkundigen Sie sich bitte frühzeitig bei der Tropenärztin.
b) Meningokokken-Meningitis Diese Impfung wird von Saudi-Arabien für alle Mekka-Pilger verlangt.
Empfohlene Impfungen
a) Diphterie-Tetanus oder Diphterie-Tetanus-Polio (REVXIS) Diese Impfung ist eine Kombinationsimpfung, die alle zehn Jahre wiederholt werden muss. Diphterie und Tetanus können bei ungeschützten Personen auch in der Schweiz auftreten. Polio ist seit sechs Jahren in Süd-, Zentral- und Nordamerika sowie in Europa ausgerottet, nicht aber in Asien (indischer Subkontinent) und Afrika. Es empfiehlt sich, den Impfschutz alle zehn Jahre aufzufrischen.
b) Hepatitis A (Reisehepatitis) Hepatitis wird durch Wasser oder Nahrungsmittel übertragen (ist also eine Schmutz- und Schmierinfektion); mit Aufpassen kann man sich nicht voll schützen. Sie ist, mit Ausnahme von Europa und den USA, auf der ganzen Welt verbreitet.
c) Hepatitis B Die Heptatitis B wird übertragen wie HIV (Blutkontakt, unsaubere Nadeln, Piercing, Tätowierung, sexuell). Sie kommt weltweit vor, ist aber in den Tropen und Subtropen deutlich häufiger als bei uns. Impfempfehlung: drei Injektionen im Abstand von circa vier Wochen (rascheres Impfschema: Injektionen an den Tagen 0, 7 und 21 bis 28). Der Impfschutz variiert individuell. Er kann durch die Titerbestimmung kontrolliert werden.
Kombinierte Hepatitis A und Hepatitis B-Impfung (Twinrix): Gleiche Indikationen wie für Hepatitis B und Hepatitis A, vor allem für jugendliche Reisende.
d) Typhus
Die Impfung gegen Typhus wird vor allem empfohlen für Indien und Südamerika. Vivotif ist eine orale Impfung mit drei Tabletten. Der Impfschutz beträgt nur 70 %.
3. Impfungen, die je nach Reiseroute und Reisestil individuell empfohlen werden
a) Meningokokken-Meningitis Die Impfung mit Mencevax ACWY wird empfohlen beim Auftreten von Epidemien in der Sahel-Zone und ist obligatorisch für die Mekka-Pilgerreie (Hadsch).
b) FSME (Frühsommer-Meningoencephalitis) Die durch Zecken übertragene Virusencephalitis hat eine weite Verbreitung in der Schweiz, in Süddeutschland, Österreich, Osteuropa, Baltische Staaten, Finnland und Südrussland bis Ostsibirien. Die Impfung wird empfohlen für Waldarbeiter, Orientierungsläufer und bei Reisen in Endemiegebiete. Impfschema: zwei Injektionen von Encepur N im Abstand von ca. einem Monat, dritte Impfung nach einem Jahr. Rappel nach drei Jahren oder nach Titerbestimmung, da der Impfschutz individuell variiert.
c) Tollwut Die Tollwut ist in allen tropischen Ländern verbreitet. In den letzten Jahrzehnten sind nur vereinzelte Reisende mit Tollwut nach Europa oder in die USA zurückgekehrt (ein Patient in die Schweiz). Die Krankheit verläuft unbehandelt tödlich. Sie wird übertragen durch Tierbisse, in den meisten Ländern durch Hunde und evtl. durch Katzen, Kühe etc. Ungeimpfte Personen benötigen nach verdächtigem Biss sieben Impfstoffinjektionen und, wenn möglich die Verabreichung von Tollwutimmunglobuin (passive Immunisierung).
d) Japanische Encephalitis Die Japanische Encephalitis hat sich in den letzten zwanzig Jahren über praktisch ganz Asien ausgebreitet. Trotzdem wurde sie nur vereinzelt nach Europa eingeschleppt. Das Risiko ist für Kurzzeitreisende und Städtereisende sehr klein.
e) Masern-Mumps-Röteln (Kombinationsimpfung mit Priorix) Die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln wird empfohlen, falls diese Krankheiten nicht durchgemacht wurden. Masern kann bleibende Schäden hinterlassen und ist ausserhalb von Europa sehr verbreitet. Röteln kann in der Schwangerschaft zur Schädigung des Embryos führen.
Von den Medien stark wahrgenommen werden, wie erwähnt SARS, Vogelgrippe, Ebola- und Marburg-Fieber, aber auch Dengue und weitere Krankheiten. Was muss man dazu wissen?
Dengue Das Dengue-Virus wird durch Mücken übertragen. Ursprünglich war Dengue in Südostasien verbreitet, hat sich in den letzten Jahren aber auch im pazifischen Raum, in Indien, Zentralafrika und in der Karibik sowie in Südamerika ausgebreitet. Die Krankheit führt zu hohem Fieber, Kopfschmerzen und einem fakultativen Hautausschlag. Eine spezifische Therapie gibt es nicht. Die Krankheit klingt von alleine ab. An einer Impfung wird gearbeitet.
West-Nile-Fever Das West-Nile-Fever-Virus war ursprünglich im Vorderen Orient heimisch und befällt vor allem Vögel, kann aber auch auf den Menschen überspringen. Vor einigen Jahren wurde die Krankheit in New York eingeschleppt und hat sich von dort zu den Vögeln von Mexiko ausgebreitet. Die Zahl der erkrankten Menschen ist relativ klein.
Lassa, Ebola und Marburg
Die Lassa-, Ebola und Marburg-Viren zirkulieren vor allem in abgelegenen, touristisch wenig erschlossenen, ländlichen Gegenden von West- und Zentralafrika. Touristen wurden bisher kaum je betroffen
Zu den in den letzten Jahren neu aufgetretenen Viruskrankheiten zählen HIV, SARS und Vogelgrippe.
HIV-Virus Die Familie der Retroviren (HIV) ist in der Veterinärmedizin längst bekannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg scheint es auf Menschen übersprungen zu sein. In den siebziger Jahren wurden die ersten Fälle in Zentralafrika und den USA beschrieben und das HIV-Virus identifiziert. Seither hat sich die Krankheit über die ganze Welt ausgebreitet. Das Virus wird über Blutkontakt, sexuell oder von Schwangeren auf ihre Kinder übertragen. Im südlichen Afrika sind bis zu 30 Prozent der Bevölkerung Träger dieses Virus. Ohne Therapie kommt es im Lauf der Jahre zum Ausbruch der Aids-Krankheit, die meistens zum Tode führt. Im Afrika leben deshalb bereits etwa elf Millionen Aids-Waisen. Eine Impfung oder Heilung ist nicht möglich. Verheerend ist der Umstand, dass immungeschwächte HIV-Virusträger anfälliger sind für andere Infektionskrankheiten, zum Beispiel der Tuberkulose, die sich in den letzten Jahren auf dem Rücken des HIV-Virus ebenfalls weltweit ausbreitet.
SARS-Virus (Severe Acute Respiratory Syndrom) SARS ist eine neue Krankheit, verursacht durch ein Virus, das erstmals im November 2002 in Südchina auftrat. Die Krankheit wird durch Tröpfchen, Luft und direkten Kontakt mit Kranken übertragen. Sie verursacht hohes Fieber, trockenen Husten, Atemnot und führt häufig zum Tode. Das Risiko einer grösseren Epidemie ist schwer abzuschätzen und hängt von den getroffenen Hygienemassnahmen ab. Die Gefahr für Touristen ist gering.
Vogel-Grippe (Avian Influenza, auch Hühnerpest genannt) Es gibt zwei Varianten von Vogelgrippe-Viren, ein weniger pathogener Stamm, der vorwiegend Wildvögel befällt, die keine Symptome entwickeln – und einen hoch pathogenen Stamm, der vor allem Hühner und Enten befällt, die meistens an der Krankheit sterben und Menschen anstecken können. Der Mensch infiziert sich durch den Genuss von frischem infiziertem Fleisch oder durch direkten Kontakt mit Hühnern oder anderem Federvieh in infizierten Betrieben oder auf Märkten. Tiefgefrorenes Fleisch ist ungefährlich. An einer Impfung wird gearbeitet.